Lippenherpes trifft (fast) jeden
Lippenherpes ist häufig bekannter unter der Bezeichnung „Fieberbläschen“.
Es handelt sich um eine Infektion, die von einem sehr ansteckenden und weit verbreiteten Virus hervorgerufen wird: dem Herpes-simplex-Virus Typ 1.
Schätzungsweise 60 bis 80% aller Erwachsenen tragen es in sich.
Es gibt auch ein Herpes-simplex-Virus Typ 2, das weniger verbreitet ist und häufiger die Geschlechtsorgane befällt.
Die Erstinfektion mit dem Herpes-Virus geschieht meist unbemerkt. Das Virus nistet sich an den Nervenenden ein, wo es von nun an für immer „schlummert“. Von Zeit zu Zeit erwacht es und führt zu den bekannten „Fieberbläschen“, einer Ansammlung von kleinen, mit einer klaren Flüssigkeit gefüllten Bläschen, die am Lippenrand oder im Mund aufblühen. Diese Bläschen verschwinden nach einer guten Woche von allein wieder.
Diese sichtbare, unangenehme und schmerzhafte Infektion bleibt in der Regel harmlos. Komplikationen sind jedoch bei immungeschwächten Menschen (durch Aids, Krebs etc.), kleinen Kindern oder Schwangeren möglich.
Wenn das Herpes-Virus sich einmal den Weg in den Organismus verschafft hat, bleibt es für immer. Ansteckend ist es aber in der Regel nur während es akuten Herpesschubs.
Das erste Mal
In den meisten Fällen findet die Erstansteckung vor dem 20. Lebensjahr statt, häufig schon während der Kindheit.
Sie kann unbemerkt erfolgen, aber auch von deutlichen Symptomen begleitet sein: Die Lippen und die gesamte Mundschleimhaut können befallen sein (Stomatitis), was manchmal sogar zu Schluckbeschwerden führt. In diesem Fall empfiehlt sich der Besuch beim Hausarzt. Dasselbe gilt für Immungeschwächte, bei ansteigendem Fieber, wenn die Infektion die Augen erreicht oder nicht von allein abheilen will.
Untrügliche Anzeichen
Ein leicht piekender Schmerz, Kitzeln, ein brennendes Gefühl, Juckreiz, eine Schwellung oder ein taubes Gefühl am Lippenrand kündigen in der Regel einen Herpesschub an. Diesen Anzeichen folgt das Aufblühen von Bläschen, die manchmal von Rötungen umgeben sind. Die Bläschen sind zunächst trüb, öffnen sich dann nach ein paar Tagen und weichen einer gelblichen Kruste. Diese fällt in der Regel ab, ohne eine Narbe zu hinterlassen.
Ein solcher Herpesschub kann auch mit Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen einhergehen.
Manche infizierten Personen leiden mehr oder weniger häufig unter wiederkehrenden Lippenherpesschüben.
Ängste, Stress, Erschöpfung, Sonneneinstrahlung (oder auch Kälte), trockene, spröde Lippen, ein anderer Infekt oder sich ankündigende Regelblutungen können das Auftreten von Herpesschüben begünstigen.
Am ansteckendsten ist die betroffene Person während der Phase, in der die Bläschen aufplatzen.
Eine schmerzhafte Erinnerung
Das häufige Auftreten von Herpes-Infektionen lässt sich mit ihrem Übertragungsweg erklären, der sich nur schwer vermeiden lässt. Das Virus befindet sich in der Flüssigkeit in den Bläschen, aber auch im Speichel (oder in Speicheltröpfchen). Jeder direkte Kontakt mit der virenhaltigen Flüssigkeit oder mit kontaminierten Gegenständen wie einem Trinkglas oder einer Serviette bietet den Viren die Gelegenheit, sich über die Schleimhaut auf eine weitere Person zu übertragen.
Bei Erwachsenen sind Küsse und oral-genitale Sexualkontakte die Hauptansteckungswege.
Lippenherpes kann auch im Genitalbereich auftreten, genauso kann umgekehrt der Genitalherpes (Herpes-Virus Typ 2) in bestimmten Fällen auch an den Lippen oder im Mund in Erscheinung treten.
Es kann - wenn auch nur selten – vorkommen, dass eine infizierte Person durch Kontakt mit den Bläschen andere eigene Körperstellen ansteckt: z. B. die Augen, die Mundhöhle, die Nase, die Geschlechtsorgane.
Um eine Übertragung der Infektion während eines Herpesschubs zu vermeiden, sollten die befallene Stelle nicht berührt und keine an den Mund geführten oder angefassten Gegenstände geteilt werden. Vermeiden Sie Küsse und innige Umarmungen. Waschen Sie sich häufig die Hände.
Geduld und andere Methoden
Wenn man individuelle Auslöser eines Herpesschubes identifizieren kann, ist es manchmal möglich, diese zu vermeiden.
Es gibt bislang keine medizinische Behandlungsmethode, die das Virus endgültig beseitigen kann.
Eine lokale antivirale Behandlung (Salbe) kann einen Schub bekämpfen, wenn sie bei Auftreten der ersten Vorzeichen aufgetragen wird. Hat der Schub bereits begonnen, kann in der Regel auf eine lokale antivirale Behandlung (Salbe) oder eine systemische Behandlung (Tabletteneinnahme) verzichtet werden, außer wenn schwere Symptome auftreten oder eine Störung des Immunsystems vorliegt. Studien zeigen, dass antivirale Medikamente die Dauer der Schmerzen und anderen Anzeichen leicht verringern (dabei ist die Einnahme von Tabletten ein wenig wirksamer als die lokale Behandlung). Treten bei einer Person mehr als 6 Herpesschübe innerhalb eines Jahres auf, kann eine vorbeugende Behandlung mit einem antiviralen Medikament angedacht werden.
Antivirale Medikamente sind wirksamer, wenn die Behandlung sofort bei den ersten Vorzeichen eines Schubes begonnen wird.
Quellen
- Antiviraux dans les infections par le virus Herpes simplex. Folia Pharmacotherapeutica, septembre 2008.
- Antiviraux. Répertoire commenté des médicaments.